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Brandenburger Kita-Bündnisse warnen: Lange Betreuungszeiten über acht Stunden massiv gefährdet

Ein Erzieher mit einem Rotkreuz-Logo auf dem T-Shirt sitzt in der Mitte von drei Kindern und liest ihnen aus einem Buch vor.
Willing-Holtz / DRK

Mehrere Brandenburger Kita-Bündnisse und die LIGA für freie Wohlfahrtspflege Brandenburg schlagen Alarm: Zum 31.12.2025 läuft die Richtlinie zur Förderung verlängerter Betreuungszeiten (RL Kita-Betreuung) aus – ohne Anschlussregelung. Land und Kommunen verweisen aufeinander, doch eine Lösung für die Finanzierung bleibt aus. Damit geraten verlässliche Öffnungszeiten von acht, neun oder zehn Stunden täglich in Gefahr.

Zwar besteht weiterhin ein Rechtsanspruch auf längere Betreuung, doch ohne klare Finanzierung droht ab 2026 eine deutliche Reduzierung der Öffnungszeiten. Die bisherige Förderung des Landes soll nun auslaufen. Die Kommunen sehen sich aufgrund knapper Haushalte ebenfalls nicht in der Lage, die Finanzierung sicherzustellen.

Realität verfehlt: Zwei Drittel der Kinder brauchen lange Betreuungszeiten 

Der Bedarf ist eindeutig: Über 70.000 Kinder nutzten zum Stichtag 1. März 2025 wöchentlich 40 Stunden und mehr Betreuung – das sind zwei Drittel aller Kinder in Krippe und Kindergarten. Trotzdem gibt es im Gesetz nur zwei Betreuungsstufen (bis sechs Stunden/über sechs Stunden), die den tatsächlichen Personaleinsatz in langen Öffnungszeiten nicht abbilden. 

Verschenkte Chancen im demografischen Wandel 

Weniger Geburten führen zu sinkenden Belegungszahlen und eigentlich frei werdenden Personalressourcen. Diese könnten Qualität und Personalschlüssel verbessern – ganz ohne Mehrkosten. Stattdessen wurde die schon beschlossene Verbesserung des Krippen- Personalschlüssels wieder zurückgenommen. Träger müssen nun sogar Fachkräfte entlassen. 

Auch Wirtschaft und Arbeitgeber betroffen 

Fallen verlängerte Öffnungszeiten weg, hat das direkte wirtschaftliche Folgen: 
•    Eltern können Arbeitszeiten nicht mehr einhalten 
•    Arbeitszeitreduzierungen und Fachkräfteengpässe nehmen zu 
•    Planungssicherheit sinkt 
•    Regionen mit Arbeitskräftemangel geraten weiter unter Druck

Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf – ein zentraler Standortfaktor – ist akut bedroht. 
Deutlicher Appell: Verantwortung übernehmen und handeln
Gemeinsam fordern wir Land und Kommunen auf: 
1. Dritte Betreuungsstufe gesetzlich verankern, um lange Öffnungszeiten abzusichern. 
2. Finanzierung strukturell reformieren – landeseinheitlich, verlässlich und kostendeckend. 
3. Sinkende Kinderzahlen für Qualitätssteigerungen nutzen, statt Personal abzubauen. 
4. Rechtsansprüche tatsächlich finanzieren – statt Verantwortung auf Träger abzuwälzen.

Fazit: Das Auslaufen der Richtlinie „Kita-Betreuung“ macht erneut deutlich: Brandenburg braucht endlich verlässliche gesetzliche Strukturen, damit Kinder und Familien auch künftig auf stabile Betreuungszeiten zählen können.

Günther Fuchs, Vorsitzender der GEW Brandenburg: 
„Die Nichtausfinanzierung der notwendigen Öffnungszeiten der Kitas durch das Land ist ein weiteres Kapitel bei den Kürzungen von Bildungsangeboten für unsere Kinder. Wenn die Kinder und Eltern nicht im Regen stehen gelassen werden sollen, dann wird die Erzieherin-Kind-Relation deutlich verschlechtert. Weniger Zeit und weniger Personal für die Kinder sowie Stress für die Eltern sind die direkte Folge dieser kinder- und familienunfreundlichen Landespolitik.“ 

Andreas Kaczynski für die LIGA der freien Wohlfahrtspflege im Land Brandenburg: 
„Was wir in Brandenburg erleben, ist kein Randproblem – es ist ein bildungs- und sozialpolitischer Rückschritt. Die Politik darf sich jetzt nicht länger hinter Zuständigkeitsdebatten verstecken: Rechtsansprüche müssen finanziert werden und dazu braucht es endlich ein klares Bekenntnis von Land und Kommunen sowohl zu einer dritten Betreuungsstufe als auch einer Finanzierung, die der Realität in den Einrichtungen entspricht.“ 

Stefan Hoffschröer, Bereichsleiter Ost bei Fröbel, für das Bündnis Kita.Macht.Bildung: 
„Mit langen Öffnungszeiten und hoher Bildungsqualität waren die Brandenburger Kita ein echter Standortvorteil für junge Familien. Mit einer Bildungspolitik nach Postleitzahl verspielt Brandenburg sein Potenzial im ländlichen Raum.“ 

Robert Witzsche, Elternvertreter, für das KiTAKOLLAPS-Aktionsbündnis: 
„Verlierer sind mal wieder die Familien: Entweder leidet die Vereinbarkeit von Kind und Job – oder aber die Qualität in den Kitas. Werden die Öffnungszeiten beibehalten, verschlechtert sich die ohnehin schon angespannte Fachkraft-Kind-Relation deutlich. Familienfreundlich geht anders, Brandenburg.“ 


Pressekontakte 
 

Für die LIGA der freien Wohlfahrtspflege: 
Oliver Bendzko 
0176 324 99 097 
info(at)liga-brandenburg(dot)de 

Für Kita.Macht.Bildung: 
Michael Kuhl, Fröbel Bildung und Erziehung gGmbH
0152 575 12 096 
michael.kuhl(at)froebel-gruppe(dot)de 

Für KiTAKOLLAPS: 
Robert Witzsche, KiTa-Elternbeirat Potsdam 
0179 1270871 
presse@kitakollaps.de

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